Montag, 18. Mai 2015

Österreich: Gesundheitsvor­sorge im internationa­len Vergleich unterdotiert.

Keine umfassende Definition und mangelnde Koordination in österreichischer Gesundheitsvorsorge, bemängelt der Rechnungshof in aktuellem Bericht.

Die Fragmentierung des österreichischen Gesundheitswesens, was Planung, Leistungen und Finanzierung angeht, zeigt sich auch bei der Gesundheitsvorsorge

Sie ist im internationalen Vergleich unterdotiert, es gibt keine umfassende Definition. 

Gleichzeitig existiert keine ausreichende Koordination der beteiligten Stellen. Dies stellt der Rechnungshof in einem jetzt erschienenen Bericht fest.


Gemeinsame Strategie erforderlich

Die Hauptempfehlungen der Prüfer, welche Gesundheitsvorsorgeaktivitäten von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung unter die Lupe genommen haben: 

Es sollten akkordierte Begriffsdefinitionen erarbeitet werden, um die Basis für eine Leistungsabstimmung zwischen den Systempartnern zu schaffen.
" Die in die Gesundheitsvorsorge in Österreich gesteckten Mittel sollten einer "gemeinsamen Strategie" zumindest von Bund und Sozialversicherungsträgern unterliegen. 
Ebenso sollte es eine einheitliche Dokumentation der Vorsorge- und Gesundheitsförderungsaktivitäten sowie eine "gesamtösterreichische Förderungsdatenbank" geben.


OECD-Vergleich

Die vom Rechnungshof erstelle Auflistung der Kenndaten zeigt die von vielen Experten bemängelte Unterdotierung von Gesundheitsvorsorge in Österreich. Für 2011 seien das 460,79 Millionen Euro von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern gewesen. 

Das Budget wuchs von 2008 bis 2011 nur um 1,7 Prozent. 

Im OECD-Durchschnitt, was nur ein roher Anhaltspunkt für ein Land wie Österreich sein kann, werden 54,5 Prozent der Gesundheitsausgaben kurativ und 3,4 Prozent für Prävention und Gesundheitsschutz ausgegeben. 

In Österreich lauten die Anteile im Vergleich dazu auf 58,5 bzw. 1,9 Prozent, so der Bericht. 

In Deutschland beträgt der Anteil der Finanzmittel für Prävention und Gesundheitsschutz an den Gesundheitsausgaben 3,7 Prozent, in der Schweiz 2,1 Prozent. Allerdings sind die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Deutschland mit 8,7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt höher als in Österreich (8,2 Prozent) und der Schweiz (7,1 Prozent).

Freilich, der Rechnungshofbericht bezieht sich auf die Situation vor der aktuellen Gesundheitsreform. Das Gesundheitsministerium hätte "im Hinblick auf den im internationalen Vergleich niedrigen Anteil der Mittel für Prävention und Gesundheitsschutz" darauf hingewiesen, "dass durch die Zielsteuerung Gesundheit in den nächsten zehn Jahren 150 Millionen Euro zusätzlich zu Verfügung gestellt würden."


Mutter-Kind-Pass

Eigene Anmerkungen gibt es in dem Report zum Mutter-Kind-Pass, der im Jahr 2011 mit 53,77 Millionen Euro zu Buche schlug. Zwischen 2008 und 2011 wuchsen die Ausgaben um 4,9 Prozent, um deutlich weniger als die öffentlichen Gesundheitsausgaben. 

Zwei Drittel davon trägt der Familienlastenausgleichsfonds. Hier wird kritisiert, dass "durch unklare Dokumentationsvorgaben im Mutter-Kind-Pass in Verbindung mit einer rückwirkenden Änderung des Untersuchungsprogramms Mehrkosten von rund 6,5 Millionen Euro entstanden" seien. 
Der Rechnungshof kritisiert, dass keine Evaluation des Kosten-Nutzen-Verhältnisses der einzelnen enthaltenen Untersuchungungen durchgeführt wurde.

Gerade beim Mutter-Kind-Pass gibt es allerdings mittlerweile eine erhebliche Neuentwicklung. 
Das seit 40 Jahren bestehende wird modernisiert. Im Mittelpunkt soll neben mehr Qualität und einem attraktiveren Angebot die verstärkte Nutzung zur Frühförderung von Kindern stehen, sagten Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) und Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) vor kurzem bei einer Auftaktveranstaltung zur Reform in Wien.

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Sonntag, 17. Mai 2015

Berufsleben hat eine Million Österreicher krank gemacht. (mit Vorsorge Tipps!)

Acht von zehn Erwerbstätigen gesundheitlich belastet - 
Stress und Depressionen als Folge.

Das Berufsleben beeinträchtigt die Gesundheit von einer Million Österreicher (Symbolfoto). -
Foto: Gina Sanders - Fotolia/Gina Sanders/Fotolia
Acht von zehn Erwerbstätigen sind am Arbeitsplatz einem Gesundheitsrisiko – körperlich oder psychisch – ausgesetzt. Und rund eine Million Menschen klagt bereits über eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die von der Arbeit verursacht wurde – mit Rückenproblemen an der Spitze (siehe Grafik).

Dies ergaben Befragungen von insgesamt fast 19.000 Personen durch die Statistik Austria.
Ein Vergleich mit einer Statistik-Austria-Untersuchung aus dem Jahr 2007 zeigt einen deutlichen Anstieg der Probleme: 
„Der Anteil jener, die Zeitdruck als jenen Faktor angeben, der ihr psychischen Wohlbefinden am stärksten beeinträchtigt, ist um knapp ein Drittel gestiegen – von 29 auf 37 Prozent“, so die Gesundheitsstatistikerin Barbara Leitner.

Als Folge hat sich auch die Zahl derjenigen verdoppelt, die unter Stress, Depressionen und Angstzuständen leiden. Bei Kopfschmerzen und Übermüdung der Augen als schwerwiegendstes arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem stieg die Zahl der Betroffenen um zwei Drittel. Bei den arbeitsbedingten Nacken- und Schulterschmerzen gab es einen Anstieg um ein Drittel.

„Wir hatten in den vergangenen Jahren eindeutig eine Zunahme der Arbeitsverdichtung“, sagt der Arbeitspsychologe Univ.-Prof. Wolfgang Kallus vom Institut für Psychologie der Uni Graz: „Die Notwendigkeit, in kurzer Zeit viel zu leisten, nimmt für die, die noch eine Arbeit haben, tendenziell zu.“ 

Vielfach sei die Personaldecke bereits sehr dünn: 
„Zieht dann die Auftragslage plötzlich an, verschärft sich das Problem.“ Vielfach gebe es keine Stellvertreter mehr, Krankenstände müssten zusätzlich von den noch Gesunden aufgefangen werden – oder es komme zum Präsentismus: Um die anderen nicht zu belasten, geht man trotz Krankheit arbeiten.“

Im Dienstleistungsbereich steige die psychische Belastung ebenfalls: 
„Die Arbeitsleistung soll für den Kunden attraktiv sein – deshalb sind wir stets freundlich, hilfsbereit, bemühen uns, keine Fehler zu machen.“ 
Hier fehle es an Modellen, wie man die psychischen Ressourcen wieder aufladen könne. Viele Firmen hätte in der Vergangenheit keine langfristige Personalplanung durchgeführt: 
„Aber nur durch konsequenten Aufbau neuer Mitarbeiter – Stichwort Mentoringprogramme – kommen sie aus dem Überlastungsteufelskreis heraus.“

STRESS-GESELLSCHAFT

Getrieben und aufgerieben.

Arbeitsbedingter Stress zerstört Gesundheit, Privatleben, die Stimmung und die Produktivität.

Anleitung zur Beruhigung.

Der Puls wird schneller. Der Atem auch. Die Pupillen weiten sich, der Hörsinn ist geschärft. Das Gehirn ist in Alarmbereitschaft: Kampf oder Flucht – eine andere Wahl gibt es nicht.

So reagiert der Mensch im Stress. Hochleistungen werden möglich, gleichzeitig gehört Stress zu den "größten Gefahren des 21. Jahrhunderts". Das befindet niemand Geringerer als die Weltgesundheitsorganisation WHO. 

Jeder zweite Topmanager in Österreich klagt über zu hohe Belastungen, die frühere "Managerkrankheit" hat aber längst alle Unternehmensetagen erobert. Jeder vierte Arbeitnehmer fühlt sich im Job gestresst, jeder zweite nach dem Arbeitstag ausgebrannt.

Stress hat, wer sich stresst

Die Stressoren in der Arbeitswelt nehmen zu – Arbeit wird komplexer, der Zeitdruck größer, sagt der Wiener Stresstrainer Günter Niederhuber, der Trainings für Unternehmen und Privatpersonen anbietet. Allerdings: 
"Belastungen von außen lösen noch keinen Stress aus. Erst die Denkmuster, die innere Einstellung führen zu Stress." 
Was den einen Mitarbeiter in Panik versetzt, lässt den anderen kalt. Die eigene Persönlichkeit entscheidet, ob man mit Stress reagiert – oder cool bleibt.

So würden laut Niederhuber Perfektionisten bei Zeitdruck extrem unter Stress geraten, weil sie ihre Sache dann unmöglich perfekt machen könnten. Auch Menschen mit ausgeprägtem Harmoniebedürfnis seien prädestiniert: 
"Sie wollen es allen recht machen, sagen nicht nein." 
Ebenso anfällig seien Einzelkämpfer, die fremde Hilfe ablehnen. Und risikoscheue Mitarbeiter, die in Stress geraten, wenn die Sicherheit dahin ist.

Im Umkehrschluss bedeutet das: 
Je positiver das Selbstbild des Menschen, je mehr er davon überzeugt ist, die Situation kontrollieren zu können, desto besser geht er mit herausfordernden Situationen um. Das fand Stressforscher Richard Lazarus 1973 heraus. Wer gestresst ist, sollte also seine Denkmuster überprüfen und verändern.

Umdenken macht resilient

Die moderne Forschung nennt diese Widerstandsfähigkeit Resilienz. 
"Ein resilienter Mensch lässt sich nicht stressen, bleibt in seiner Mitte, schaut auf die eigenen Ressourcen und darauf, dass es ihm gut geht", sagt Resilienztrainer Ronald Lengyel. 

Die Balance finden, sich abgrenzen sei sehr wichtig, "dann wird aus der Bedrohung eine Herausforderung." 
Niederhuber empfiehlt, die Problemlösungskompetenzen im Job zu erhöhen. "Gerade in Stresssituationen neigen wir dazu, am Problem haften zu bleiben." 

Besser: 
Zehn Minuten mal nichts tun, abkühlen. Und dann eine Lösung suchen. Soziale Kontakte zu pflegen sei wichtig – gerade sie würden bei Stress schnell gekappt. 

Der wahre Stresskiller sei Sport. 
"Er ist der einzige Weg, um das Stresshormon Cortisol abzubauen", so Niederhuber. 
Von Adrenalinkicks in der Freizeit rät er ab. 
Auch wenn es banal klingt: 
Wer die kleinen Dinge des Lebens genießt, kann mit Stress gelassener umgehen.


VORSORGE TIPPS!



1. Führen Sie eine Liste: Arbeitspsychologin Daniela Reiter rät: 
„Alles aufschreiben, was ich machen möchte und von dem ich glaube, das es erledigt werden muss – und dann wegstreichen. Ich entscheide, was meine Prioritäten sind.“

2. Atmen Sie durch:
Unter Stress halten Menschen die Luft an, oder die Atmung wird flach. So gelangt weniger Sauerstoff zu den Organen und ins Gehirn. Sie werden müde und erschöpft. Atmen Sie bewusst zwei- drei Mal tief ein und aus – egal, wo Sie sind. Schließen Sie kurz die Augen und beamen Sie sich mental an einen Ort, der Ihnen Kraft gibt.


3. Bleiben Sie bei dem, was sie tun:
Lassen Sie sich weder durch ein Handyläuten noch durch andere „Verführungen“ ablenken. 
Die Asiaten nennen das: 
„Tun, was zu tun ist.“ 
Wenn Sie Geschenke einpacken, packen Sie Geschenke ein. 
Wenn Sie aufräumen, räumen Sie auf. 
Wenn Sie einkaufen gehen, gehen Sie einkaufen.


4. Hören Sie Musik, die Sie mögen:
Klassische Musik – besonders Bach oder Mozart – wirkt stresslösend. 
Latin-Jazz macht gute Laune. 
Geistliche Musik – etwa Oratorien – haben eine meditative und erfrischende Wirkung.

5. Strecken Sie sich durch:
Wenn Sie merken, dass sich Ihre Muskeln aufgrund des Drucks angespannt anfühlen,
dann strecken Sie sich. 
Gehen Sie durch den Raum, schütteln Sie Arme und Beine, atmen Sie tief ein und aus. 
Werden Sie groß!


6. Gehen Sie an die frische Luft: 
Egal, ob es ein stundenlanger Waldspaziergang ist, 
oder Sie in der Büropause schnell um den Block gehen. 
Frische Luft tut gut und bringt den Kreislauf wieder in Schwung.


7. Machen Sie ein Nickerchen:
Eine Mittagsruhe - bekannt als Powernap - hilft gegen das Tief am Nachmittag. 
Schlafexperte Jürgen Zulley bestätigt, dass ein zehn- bis zwanzigminütiges Nickerchen die Leistungsfähigkeit um bis zu 35 Prozent steigern kann.


8. Genießen Sie bewusst:
Belohnen Sie sich ab und zu mit einem Stück Schokolade. 
In Maßen genossen, sind Sorten mit Bitterstoffen sogar gesund. 
Wissenschaftler der Technischen Hochschule Aachen haben nachgewiesen, dass Stoffe in Bitterschokolade Gefäßerkrankungen vorbeugen können.


9. Gehen Sie in sich:
Nehmen Sie sich bewusst ein paar Minuten Zeit. 
Zünden Sie eine Kerze an und lassen Sie den Tag Revue passieren: 
Was ist mir heute gut gelungen? 
Welche positiven Erlebnisse hatte ich heute? 
Was habe ich heute gelernt? 
Worauf bin ich stolz?


10. Zeit mit den Liebsten verbringen:
Zuneigung, Trost, Verständnis, körperliche Nähe - 
der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht intakte Beziehungen. 
Forscher der Brigham Young University in Utah 
haben den Zusammenhang zwischen sozialen Kontakten und dem Sterberisiko analysiert.

11. Trinken Sie Tee: 
Kamillentee, Hagebuttentee, Pfefferminztee, Melissentee, 
Johanniskrauttee, Schafgarbentee und Rooibostee haben beruhigende Wirkung. 
Den höchsten Koffeingehalt hat die Sorte Darjeeling, ein Schwarztee. 
Er wirkt belebend.


12. Lernen Sie zu entspannen:
Mit Entspannungstechniken wie 
Yoga, Shiatsu, Pilates, Qigong 
oder autogenem Training lernen Sie Stress abzubauen.



13. Verzichten Sie auf Nikotin:
Vielen Rauchern hilft der Zigarettenkonsum in Stresssituationen. 
Allerdings nur, weil sie süchtig sind. 
"Es ist für Abhängige immer wohltuend, wenn sie nach einer längeren Entzugsphase ihren Suchtstoff zu sich nehmen, ansonsten fehlt ihnen etwas",
schreibt die deutsche Gesell. f. Nikotinprävention. 
Auf Nichtraucher wirkt es mit Schwindel und Kopfschmerzen.


14. Sport als Ausgleich:
Über Bewegung baut der Körper jene überschüssige Energie ab, 
die der Organismus in Stresssituationen zur Verfügung stellt. 
Zudem stärkt das Training die Ausdauer 
und bringt das Herz-Kreislaufsystem in Schwung.

15. Belohnen Sie sich selbst:
Ein paar Stunden in der Therme, ein Saunabesuch 
oder einen Nachmittag lang faulenzen. 
Nehmen Sie sich einen Tag in der Woche bewusst Zeit 
und nutzen Sie sie für jene Dinge, die Sie selten tun.

GRAFIK


HINTERGRUND


Positionen von Gewerkschaft und Wirtschaft.



ÖGB-Achitz fordert Recht 
auf gesunden Arbeitsplatz für ArbeitnehmerInnen

Prävention im Betrieb deutlich ausbauen - Schwerpunkt arbeitsbedingte physische und psychische Gesundheitsgefährdungen

Wien (OTS/ÖGB)
"Die psychische Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird noch immer als individuelles Problem gesehen", kritisiert Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, anlässlich der Befragung "Gesundheitsrisiko Arbeitsplatz" der Statistik Austria. 

"Vor allem Rückenbeschwerden und psychische Probleme gehen oft vom Arbeitsplatz aus, oder sie werden durch die Arbeit verstärkt. Deshalb muss auch die Prävention am Arbeitsplatz ansetzen", sagt Achitz und fordert: 
"Da bisher zu wenige Unternehmen den Handlungsbedarf erkannt haben, muss die betriebliche Gesundheitsförderung zur Pflicht werden." 

ArbeitnehmerInnen müssen das Recht auf einen gesunden Arbeitsplatz haben. Achitz: 
"Wer jahrelang im Schichtbetrieb gearbeitet hat, soll das Recht auf Arbeit bei Tag bekommen." 

Allein sechs körperliche Arbeitsbelastungen (schwere körperliche Arbeit, Einwirkung von Vibrationen, Arbeit mit gefährlichen Arbeitsstoffen, Gefahr von Arbeitsunfällen, erzwungene Körperhaltungen bei der Arbeit, Belastungen durch das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung) sind für rund 23 Prozent der Krankenstände verantwortlich. 
Das führt zu Kosten in Milliardenhöhe für Entgeltfortzahlung und Krankengeld, entfallene Wertschöpfung für Betriebe und Krankenbehandlungskosten. 

Dazu kommen hohe Kosten aufgrund von krankmachenden psychischen Arbeitsbelastungen wie Stress und Arbeiten unter Zeitdruck. "Untätigkeit bei Prävention lohnt sich für Unternehmen nicht", sagt der Leitende Sekretär des ÖGB.

Der ÖGB fordert daher, dass die Prävention sehr viel weiter gefasst werden muss, und zwar in Richtung arbeitsbedingte physische und psychische Gesundheitsgefährdungen. 

"Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers muss viel weiter gehen als bisher. Nur so können teure chronische Krankheiten verhindert werden. Eine Ursache dafür sind überlange Arbeitszeiten. Dagegen hat der ÖGB ein Modell vorgelegt, das Überstunden reduziert, indem es sie für die Betriebe teurer macht", sagt Achitz abschließend.

Die Forderungen des ÖGB:

  • Arbeitgeber müssen Arbeitsplätze, Arbeitsmittel, die Arbeitsorganisation alternsgerecht gestalten.
  • Betriebliche Gesundheitsförderung als Pflicht, statt wie derzeit nur auf freiwilliger Basis.
  • Sanktionen für Arbeitgeber, die keine gesundheitsfördernden Maßnahmen setzen.
  • Arbeits- und OrganisationspsychologInnen an allen Arbeitsstätten.


Anders Martin Gleitsmann, Leiter der Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer (WKÖ). 
„Psychische Belastungen nur auf den Arbeitsplatz zurückzuführen, ist eine verkürzte Sichtweise, die nicht der Realität entspricht.“ 
 Arbeit nur als Belastung zu verkaufen, sei falsch. 
„Wir dürfen uns Arbeit nicht krankreden lassen!“ 
Arbeitende Menschen seien gesünder als nicht Arbeitende, Eigenverantwortung müsse gestärkt werden.



ÜBER DEN AUTOR:
Nicole Thurn
Wirtschaft & Karriere
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Wege aus der Beschleunigungsfalle - Das Burn-out in Unternehmen.

Wenn nicht nur der Einzelne sondern das ganze Unternehmen den Blues hat, dann sitztdas Unternehmen in der Beschleunigungsfalle. Das Burn-out gibt es nicht nur beim einzelnen Mitarbeiter, es kann auch Teams oder ganze Organisationen erfassen.

Wenn Manager sich vom Markt unter Druck gesetzt fühlen, halsen Sie dem Unternehmen häufig mehr auf, als diese vertragen: 

Die Zahl der Projekte steigt, die Leistungsvorgaben werden erhöht und Innovationszyklen verkürzt. Eine Zeitlang mag das funktionieren, aber wenn das rasante Tempo zum Normalzustand wird, führt es zu chronischer Überlastung aller Beteiligten. Die Folgen sind demotivierte Mitarbeitende. 




Ist Ihr Unternehmen Burn-out gefährdet?

Bei den in der Beschleunigungsfalle gefangenen Unternehmen sagten 60% der Mitarbeitenden, dass sie nicht ausreichend Ressourcen für Ihre Arbeit zur Verfügung hätten - bei Unternehmen die nicht von diesem Phänomen betroffen sind, sind es nur 2%. Ein ähnliches Bild ergab sich bei Aussagen:

«Ich arbeite ständig unter erhöhtem Zeitdruck» (80% zu 4%) und «Die Prioritäten ändern sich häufig» (75% zu 1%). Regelmässige Erholungspausen werden in überlasteten Unternehmen (86% zu 6%) vermisst. 
In die Beschleunigungsfalle geraten Unternehmen nach einem rasanten Boom, wie zum Beispiel ABB nach dem Zusammenschluss  der schwedischen ASEA und der schweizerischen Brown Boveri.

Durch Zukauf von 55 Unternehmen wurde ein exorbitantes Wachstum generiert, was zum Teil dazu führte, dass in den einzelnen Konzernbereichen die linke Hand nicht mehr wusste was die rechte tat und die ABB-Verkäufer, in den verschiedenen Länder, in Sparten und Bereichen organisiert, um die gleichen Kunden konkurrierten und sich gegenseitig kannibalisierten. Mit der Folge, dass sich die Kunden verärgert abwandten und bei der Konkurrenz bestellten.




Erste Symptome des Organizational Burn-Out 

(nach G. Greve):



Unsicherheit in der Marktakzeptanz mit Umsatzrückgang: Umsatzrückgang bedeutet Unsicherheit, mit der Folge, dass die Vertriebsintensität erhöht wird ohne vorherige, vertiefte Situationsanalyse.


Übersteigerter Qualitätsanspruch: Wann ist gut gut genug? In Institutionen des Service-Public wird, da der Markt und damit die Preis-Absatz-Funktion fehlt, eine immer höhere Qualität gefordert, ohne final zu bestimmen, welche Qualität überhaupt hinreichend ist.

Unrealistische Leistungsvorgaben: Insbesondere in Organisationen die eine steile Hierarchie haben - wie sie in Service-Public- Institutionen die Regel sind, verstärken sich die Leistungsvorgaben.

Unspezifische Ziele und fehlende Konkretisierung: Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg (Laotse). Unpräzise Ziele führen zu einer Fehlallokation der Ressourcen. Die Motivation leidet und der Energieeinsatz bleibt enttäuschend.




Wertearmut des Unternehmens - mangelnde Sinnhaftigkeit: Der Zweck des Unternehmens kann nicht nur darin bestehen, möglichst viel Geld zu verdienen. Peter Drucker sagt, der Zweck eines Unternehmens ist den Kunden glücklich zu machen. Das Unternehmen braucht eine moralisch-ethische Antwort. Die «Gier des Money-Makings», die zur Finanzkrise geführt hat und vor allem bei der Investmentbank «Lehman Brothers zum Kollaps führte, ist ein Ausdruck davon. Wenn Unternehmen und damit verbunden die Mitarbeitenden auf dem Ozean der Sinnlosigkeit hin und her treiben, dann fehlen ethische Zielvorgaben. Die Identifikation mit der Firma nimmt ab.

Hohe Fluktuation und wenig aktive Bewerbungen: 
Ausdruck davon ist, wenn die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden erst bei der Kündigung steigt und sie nur als Kostenstellen, nicht jedoch als «human capital» gesehen werden. Fehlende Initiativbewerbungen sind ein Frühindikator für Imageverlust.

Isolation der mittleren Führungsebene zwischen oben und unten: 
Von der mittleren Führungsebene wird erwartet die Strategie des Unternehmens aktiv umzusetzen und überzeugend zu kommunizieren. Die Realität ist jedoch, dass sie in die Entwicklung der Strategie nicht einbezogen ist. Die Kultur ist geprägt durch Zynismus, hohe Fluktuation und einem nicht mehr zuhören können. Die Beschäftigten wie auch das Unternehmen verlieren dabei die klare Ausrichtung. Bei fehlender klaren Ausrichtung verhält sich das Unternehmen wie ein Schiff das ohne Navigation , bei diffuser Sicht, den Zielhafen sucht. Innovationen, auch im Kleinen, finden nicht mehr statt.




Ergebnisdruck von Kunden, Eigentümer oder der Öffentlichkeit: 
Bei börsenkotierten Unternehmungen besteht die Gefahr, dass unrealistische Returns-on-Equity verlangt werden. Eine Kurspflege, koste es was es wolle, mit Kosten runter und Gewinne rauf, lässt den Erwartungsdruck und die Versagensängste wachsen. Unüberlegte Hektik, Hypermotorik und Fehler sind die Folge.

Angst vor Verlust des Vertrauens des Kapital- und Absatzmarktes: 
Das Vertrauen zu Marken und Organisationen (intern und extern), entwickelt sich in einem langwierigen Prozess. Der Vertrauensbruch hingegen kann sich in einer einzigen Handlung vollziehen. Die UBS als exemplarisches Beispiel hat noch immer an der exorbitanten Spekulation des Investmentbankings und dem Versagen des ehemaligen Top-Kaders beim Risk-Management zu leiden.

Veränderungen im Dauerzustand: 
Das Change-Management mit aussergewöhnlichen Belastungen wird zum Dauerzustand. Bei fehlenden Erholungsphasen bewegt sich das Unternehmen ständig an der Auslastungsgrenze. Die Ressourcenübernutzung der Mitarbeitenden führt zur Demotivation. Der Mitarbeitende fühlt sich in einem latenten Erschöpfungszustand, mit leeren Batterien wie in einem Hamsterrad gefangen.

Erfolgsarroganz macht blind: 
Eine Unternehmung die über Jahre stets erfolgreich ist, läuft Gefahr, sich als unfehlbar zu halten und die vitalisierende Selbstregulation zu verlieren. Erfolg macht nicht nur angenehm träge, man braucht immer mehr Energie um  den gleichen Erfolg zu erzielen. Die Energiedosen müssen - ähnlich wie bei der Drogenabhängigkeit erhöht werden - um den Erfolgsrausch zu erleben. Alles läuft weiter wie bisher, nur die Outputs will der Markt - zunächst schleichend, dann immer deutlicher - in dieser Form nicht mehr. Nokia, der einst unbestrittene Marktleader bei den Mobilephones, läuft Gefahr in der Befriedigung der Kundenbedürfnisse den technologischen Anschluss zu verlieren und von dem Smartphones aus Amerika und Asien überrollt zu werden.



Gibt es eine Lösung?

Um ein Unternehmen aus der Falle zum Organizational Burn-out  herauszuführen, sind folgende Massnahmen möglich:

Stabilisierung durch Wachstum
Einen konsequenten Wachstumskurs gehen, heisst unnötige Arbeits- und Projektgruppen, die nur zur Verbesserung von internen Prozessen dienen, aufzulösen und die freiwerdenden Ressourcen für Marktbearbeitung und Innovationen verwenden. Die Anzahl der Projekte muss heruntergefahren, weniger wichtige Projekte gestrichen und eine Kommunikation mit emotionaler Ansprache implementiert werden.

Projekt streichen, Innovationsinitiative aufbauen: 
Anstatt die Mitarbeitenden nach neuen Initiativen zu fragen, können sie eingeladen werden, sich zu überlegen, welche Initiativen sie streichen würden. Die zentrale Frage ist dabei: «Welche unserer Projekte würden wir auch heute noch anstossen, wenn sie nicht schon laufen würden»? «Welche Projekte haben strategische Bedeutung und haben geholfen, dass Unternehmen klar auszurichten, Erfolgspositionen aufzubauen»?




Strategie klar kommunizieren: 
Das Streichkonzert erfordert vom CEO Mut und Durchsetzungsvermögen und ein verständlich machen der Strategie auf allen Führungsebenen, damit die Projekte auch auf die Kongruenz zur Strategie überprüft werden können.

Stressphase offiziell beenden
Wenn die Beschleunigungsphase nicht allein durch zu viele Projekte sondern vor allem durch ständige Unruhe zustande kommt, kann der CEO das Unternehmen befreien, indem er durch sein Wort, bildlich gesprochen mit einem Tankstellen-Stopp der aktuellen Veränderung ein Ende setzt.

Neue Projekte filtern
Projektmanagementsysteme auch zum filtern verwenden. Ressourcenbedarf, Projektführung klären. Projekte priorisieren und Platz schaffen. Regelmässige Streichrunden im Projektportfolio sowie das Festlegen einer Obergrenze für Unternehmensziele um die gewünschte Entlastung zu erreichen. Das kann bedeuten nur drei, dafür jedoch wettbewerbsfähige Ziele/Projekte verfolgen.
Die Vermeidung eines Ausufern des Projektportfolio ist das eine, um jedoch die Entschleunigung zu erreichen, muss sich die Unternehmenskultur ändern.

Eines nach dem andern: Eine bestimmte Wachstumsphase kann dazu führen, dass im Unternehmen alle Kräfte auf die Erreichung dieses Ziel ausgerichtet werden müssen, zum Beispiel bei einem Markteintritt ausserhalb der bisherigen Region. Eine Projektsperre kann helfen, diese Aufgabe zu bewältigen.




Verschnaufpause einlegen: 
Bei den 92 untersuchten, deutschen Unternehmungen, steckten 46 in der Beschleunigungsfalle. 86% der betroffenen Mitarbeitenden beklagten sich das sie zu wenig Zeit hätten um nachzudenken und sich nach Stressphasen zu erholen. Werden Pausen als störende Unterbrechungen betrachtet, dann provoziert man die Mitarbeitenden nicht nur in ein Burn-out hinein, sondern man behindert Kreativität. Kreativität entsteht in aller Regel nicht in einem Zustand von Druck und Stress, sondern setzt ein gewisses Mass an Entspannung und Gelassenheit voraus.

Einen Gang zurückschalten: 
Ein regelmässiger und bewusst strukturierter Rhythmus zwischen Hochleistungs- und Erholungsphasen, wie es zum Beispiel der Gehörgerätehersteller Sonova macht, um wieder Energie tanken und die Batterien aufladen zu können, führt in  diesem Konzern dazu, dass sie nicht nur aussergewöhnliche Innovationen schaffen sondern auch 2008/2009 mit 8% Wachstum deutlich besser abschnitten als die Konkurrenz.

Erfolge geniessen: 
Erfolge und aussergewöhnliche Anstrengungen verdienen Anerkennung und können im Rahmen einer kleinen Feier institutionalisiert werden.

Mit gutem Beispiel vorangehen: 
Ein Rückzug auf die grüne Wiese zum nachdenken kann helfen in Ruhe und ohne die täglichen Störungen, Ideen durchzuarbeiten und Energien zu tanken. Bill Gates macht dies mit zwei jährlichen Denkwochen. Dieser passagere Rückzug zum Denken ist zwischenzeitlich fester Bestandteil der Microsoft-Kultur geworden.

Feedbacksysteme einsetzen: 
Beim monatlichen Feedback zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden wird unter anderem auch darauf geachtet, ob sich die Mitarbeitenden ausreichend erholen,  also eine Balance haben zwischen Anspannung und Entspannung.



Fazit:

Der strategische Umgang mit Burn-out ist Chefsache. 

Zentral ist die Strukturen, Funktionen und Aufgaben so zu gestalten und zu optimieren, dass Erschöpfung vermieden oder zumindest rechtzeitig erkannt wird. Wenn Mitarbeitende als das grösste Kapital bezeichnet wird, dann darf es nicht verbrannt werden. 

Gnadenlose Beschleunigung führt zu Orientierungslosigkeit, einer unkontrollierten Flut von Aktivitäten und «Burn-out» für Alle.
Eine heissgelaufenen Organisation entwickelt sich wie eine verengende Spirale, die vom hektischen Aktionismus zu Chaos führt und letztendlich einen Tunnelblick zur Folge hat. Der Kopf ist nicht mehr frei, das Denken wird verengt. 

Nachhaltiger und auch profitabler in Bezug auf Produktivität und finanziellem Gewinn ist es deshalb, das Unternehmen langfristig auf einem tragfähigen Energie-niveau zu halten.
Nur wenn die Mitarbeitenden und die Organisation gesund sind, können Wertschöpfung und Profitabilität wachsen.





Gesundheit ist ein strategischer Wirtschaftsfaktor. 
Das reine Effizienzdenken führt in den Blues, zuerst bei den Mitarbeitenden, dann bei den Teams und erfasst am Schluss das ganze Unternehmen. 


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Hier werden branchenspezifisch die möglichen Einsparungs- und Produktivitätspotentiale nach Anzahl der Mitarbeiter mit der von den Business Doctors entwickelten Software errechnet.

Das Unternehmen hat nur mehr einen Selbstbehalt von €80 zu erbringen.

Der Gutschein kann unter daublebsky@business-doctors.at abgerufen werden.

Diese Aktion gilt bis Ende November 2015. Teilnehmer an dieser Aktion erhalten auch einen Sonderrabatt für den Eintritt zum Symposium 2015 von 20% von € 590.-


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BUSINESS DOCTORS NEWS!!


Gesund bleiben
Von der Arbeitsgesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft

Das sind Titel und Thema des 3. Symposiums, das von den Business Doctors im Rahmen des
„Europäischen Forums für generationengerechte und gesunde Arbeitswelten“


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Informationen:
Zahlen, Daten und Fakten zu den berufsgruppenspezifischen Stress – und Burnoutstudien, Leistungseinbußen durch Stress, etc. sowie Infos zur BIS Business Intelligence Software mit dem Einsparungspotentialrechner sind unter www.business-doctors.at abrufbar.

Die Business Doctors Kostenfreie „Stress & Burnout Check“ APP für Android User ist im Google Play Store unter dem Suchbegriff „businessdoctors“ frei zum info-download.

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Ihr Ansprechpartner:

Franz Daublebsky,
Tel. 0664 / 101 2333


Wichtiger Hinweis:

Diese Seite enthält nur allgemeine Hinweise und Sie kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten:


Ihr Business Doctors, Graz, Österreich
www.business-doctors.at